Medizin & Körper

Epidemiologische Untersuchungen zur Verbreitung der Alkoholabhängigkeit in der Bevölkerung sind aus verschiedenen Gründen schwierig, schon wegen der nicht unerheblichen diagnostischen Probleme angesichts der Neigung zur Bagatellisierung und Verleugnungstendenzen vieler Alkoholkranker, vor allem aber wegen der grundsätzlichen Schwierigkeiten breit angelegter medizinischer Untersuchungen.

Nach Zusammenfassung verschiedener epidemiologischer Untersuchungsergebnisse wird die Verbreitung der Alkoholabhängigkeit in Deutschland in der Bevölkerung auf 2 bis 3 % geschätzt. Auf überschaubare Zahlen umgesetzt, bedeutet dies eine Alkoholabhängigkeit bei jedem 40. bis 50. Einwohner im Bundesgebiet Deutschland. Auf eine Stadt mit 100 000 Einwohnern bezogen machen die 2 bis 3 % die erhebliche Zahl von 2000 bis 3000 Erkrankungen aus.

Die konkreten Zahlen geben nicht nur einen besorgniserregenden Hinweis auf das Ausmaß des menschlichen Leides, das durch die Alkoholkrankheit verursacht wird. Allein die nackten Zahlen geben auch ein Bild von dem Ausmaß der wirtschaftlichen und sozialen Belastung, die einer Gemeinschaft aus den Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums erwächst. Zu nennen sind in erster Linie die hohen Behandlungskosten, wobei nicht nur die Kosten durch die direkte Behandlung der Alkoholabhängigkeit zu berücksichtigen sind.

Weitaus höher dürften die Kosten sein, die durch die Behandlung der vielfältigen Begleiterkrankungen entstehen. Grobe Anhaltspunkte dazu geben ebenfalls wieder Daten aus epidemiologischen Untersuchungen, die unter den Patienten in Allgemeinkrankenhäusern 5-10 % Alkoholabhängige festgestellt haben. Oft handelt es sich bei den klinischen Aufenthalten um die Behandlung von Lebererkrankungen, Magenerkrankungen, Unfällen, Alkoholvergiftungen und Alkoholentzügen. In den psychiatrischen Krankenhäusern ist rund jedes 7. Bett mit einem Suchtkranken belegt, darunter vorwiegend mit Alkoholabhängigen.

Einige der wichtigsten Daten in der Gesamtübersicht unterstreichen die These, dass Alkohol nicht nur die Droge Nr. 1 ist, sondern auch der am meisten gesundheitsschädigende Stoff: