Medizin & Körper

Die gebräuchlichste Klassifikation von Alkoholikern beruht auf dem Konzept von E. Morton Jellinek (1890 – 1963) der 5 Trinkertypen identifizierte.

In Theorie und Praxis hat es sich als zweckmäßig erwiesen, die Alkoholkranken nach bestimmten Typen zu differenzieren. Die von Jellinek vorgeschlagene Typologie hat sich im Laufe der Zeit international durchgesetzt.

Es gibt unzählige körperliche und psychische Ausprägungen des Alkoholismus, uns es gibt mindestens genauso viel Möglichkeiten, in die Sucht zu schlittern. Wer versucht, die verschiedenen Formen der Alkoholsucht unter einen Hut zu bringen, wird deshalb bald scheitern. Eine Einteilung in verschiedene Trinkertypen findet sich jedoch weit verbreitet - als Thema in medizinischen Lehrbüchern bis hin zu Stammtischgesprächen. Lassen sich also trotz aller Unterschiede Gemeinsamkeiten finden?

Die Antwort lautet "ja". Man kann aber nicht immer mit Gewissheit sagen, das der oder der so ein Trinkertyp ist oder eine anderer, da die verschiedenen Typen ineinander über gehen und man keinen haargenauen Unterschied einfach so sehen kann.

ALPHA (α)-Trinker

Auch Problem- oder Konflikttrinker genannt:
Trinkt, um Konflikte zu überdecken, trinkt eher allein, psychische Abhängigkeit, Missbrauch, kein Kontrollverlust, neigt zum γ-Trinker

Konflikttrinker: Beim Alpha-Alkoholismus ist das Trinken konfliktbezogen. Auslösende Momente sind z. B. Spannungen, Ängste oder Verstimmungen. In konfliktarmen Zeiten wird noch Abstinenz eingehalten. Die Folgeschäden beschränken sich meist auf den familiären und sozialen Bereich. Der Alpha-Alkoholismus verläuft in der Regel ohne Kontrollverlust bei noch nicht stark ausgeprägter psychischer Abhängigkeit. Bei fortschreitendem Verlauf kann er in den Gamma-Alkoholismus übergehen.

BETA (β)-Trinker

Auch Gelegenheitstrinker oder Gesellschaftstrinker genannt:
Trinkt in Gesellschaft, sucht sie Trinksituation, kein Kontrollverlust, keine Abhängigkeit, neigt zum δ-Trinker

Gelegenheitstrinker: Für den Beta-Alkoholismus ist das Gelegenheitstrinken charakteristisch. Das Sozialfeld und bestimmte berufliche Tätigkeiten, z. B. als Kellner oder Bauarbeiter, wirken begünstigend. Der Alkoholkonsum ist überhöht und häufig unregelmäßig. Folgeschäden werden im familiären und/oder sozialen Bereich erkennbar. Die Abhängigkeit liegt in der Bindung an die Gewohnheiten im soziokulturellen Umfeld. Kontrollverlust sowie psychische oder physische Abhängigkeit fehlen. Diese Form des Alkoholismus kann in den Delta-Typ übergehen.

GAMMA (γ)-Trinker

Auch Säufer (Alkoholiker) genannt:
Körperliche Abhängigkeit, Kontrollverlust, klassische form des Alkoholismus (etwa 65%)

Süchtige Trinker: Unter den Gamma-Alkoholismus fallen die eigentlich süchtigen Trinker. Nur gelegentlich sind sie zur kurzfristigen Abstinenz fähig. Durch das häufige Rauschtrinken treten schon bald erhebliche familiäre, berufliche, psychische und physische Schäden auf. Bei dieser Form des Alkoholismus ist die psychische Abhängigkeit stark ausgeprägt und mit Kontrollverlust verbunden. Im weiteren Verlauf tritt die körperliche Abhängigkeit hinzu.

DELTA (δ)-Trinker

Auch Spiegeltrinker genannt:
Gleichmäßige Aufnahme von Alkohol über den ganzen Tag verteilt, Unfähigkeit, nicht zu trinken, Kontrolle bleibt lange aufrechterhalten, körperliche Abhängigkeit

Gewohnheitstrinker: Unter den Delta-Alkoholismus werden die Gewohnheitstrinker eingereiht. Ihr Trinkverhalten ist durch gleichmäßige, über den Tag verteilte Alkoholaufnahme gekennzeichnet. Der Gewohnheitstrinker befindet sich sozusagen in einem Zustand der Daueralkoholisierung und ist dabei ständig bemüht, seinen Alkoholspiegel konstant zu halten, weil es sonst zu Entzugserscheinungen kommen könnte. Er wird deshalb auch als Spiegel-Trinker bezeichnet. Er trinkt schon morgens, bleibt aber rauscharm. Die Folgeerscheinungen liegen auf körperlichem, seelischem und sozialem Gebiet. Neben der physischen Abhängigkeit besteht eine seelische Abhängigkeit. Trotz Unfähigkeit zur Abstinenz kommt es nicht zum Kontrollverlust.

EPSILON (ε)-Trinker

Auch Quartalssäufer genannt:
Wechselnd Phasen von Abstinenz und exzessivem Trinken, manchmal auch Spätformen.

Episodischer Trinker: Den Epsilon-Alkoholismus hat Jellinek erst später hinzugefügt. Hierher gehört der episodische Trinker oder Quartalssäufer. Es besteht ein starkes Verlangen nach Alkohol, das zeitlich begrenzt (Tage bis Wochen) anhält und genauso plötzlich, wie es aufgetreten ist, wieder abklingt. Typisches Kriterium dieser Alkoholismusform ist der phasenhafte Verlauf, dem depressive Verstimmungszustände zugrunde liegen können. Die Folgeschäden liegen auf sozialem Gebiet. Zwischen den einzelnen Trinkphasen bleibt das Trinkverhalten unauffällig. Die Intervalle sind von unterschiedlicher Dauer. Die psychische Abhängigkeit ist auf die Trinkphase begrenzt und geht mit einem Kontrollverlust einher.

 

Das Trinkverhalten sogenannter Alpha- und Beta-Trinker bezeichnete Jellinek als Vorstufe der Alkoholkrankheit und Gamma-, Delta- und Epsilon-Trinker als alkoholkrank.
Die 3 letzteren gelten auch im Sinne der RVO (Reichsversicherungsordnung; wird seit 1975 sukzessive durch das Sozialgesetzbuch abgelöst).
Mit dem "Kontrollverlust" wird die Unfähigkeit bezeichnet, mit dem Trinken vor dem schweren Rausch aufzuhören.
Quelle: Jellinek, E. M., The Disease Concept of Alcoholism, Hillhouse, (New Haven), 1960.

Mischtypen: Ausdrücklich muss betont werden, dass es abgesehen von den erwähnten Übergangsformen auch Mischtypen des Gamma- und Delta-Alkoholismus gibt.
Von klinischer Bedeutung sind die unter dem Gamma- und Delta-Alkoholismus einzuordnenden schweren Formen sowie die Mischtypen. Der Alpha- und Beta-Alkoholismus sind vorwiegend als eine Gefährdung zu verstehen.