
Wichtiger Hinweis vorab: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen, sachlichen Information. Er stellt keine medizinische Beratung dar, ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung und ist nicht als Empfehlung für ein bestimmtes Verfahren, Präparat oder eine bestimmte Einrichtung zu verstehen. Ob eine Therapieform im Einzelfall geeignet ist, kann ausschließlich ärztlich beurteilt werden.
Eine Krebsdiagnose verändert das Leben von einem Moment auf den anderen. Parallel dazu hat sich die Onkologie in den vergangenen Jahren fachlich weiterentwickelt: Wo lange einheitliche Behandlungsschemata im Vordergrund standen, spielt die individuelle Situation der erkrankten Person heute eine größere Rolle. Für Betroffene und Angehörige kann es hilfreich sein, die Grundbegriffe zu kennen, um im ärztlichen Gespräch gezielter nachfragen zu können.
Was mit personalisierter Krebstherapie gemeint ist
Auch innerhalb derselben Tumorart können sich Erkrankungen auf molekularer Ebene unterscheiden. Der Begriff der personalisierten oder zielgerichteten Therapie beschreibt den Ansatz, die Behandlung an den individuellen Eigenschaften eines Tumors auszurichten, statt ausschließlich einem einheitlichen Schema zu folgen. Ob und in welcher Form dieser Ansatz im konkreten Fall infrage kommt, hängt von zahlreichen Faktoren ab und wird ärztlich entschieden.
Genetische Tumorprofile
Ein Baustein der modernen Onkologie sind molekulargenetische Tumoruntersuchungen. Dabei wird Tumorgewebe im Labor auf bestimmte molekulare Merkmale und Mutationen untersucht. Eine solche Analyse kann Hinweise darauf geben, ob ein Tumor auf einen bestimmten zielgerichteten Wirkstoff ansprechen könnte. Diskutiert und angewendet wird dies unter anderem bei Brust-, Darm-, Lungen- und gynäkologischen Tumoren. Ein bestimmtes Behandlungsergebnis lässt sich aus einem Tumorprofil allerdings nicht ableiten.
Ergänzend werden sogenannte Liquid-Biopsy-Verfahren eingesetzt, bei denen molekulare Merkmale über eine Blutprobe untersucht werden. Nach Darstellung des ONKO-Internetportals der Deutschen Krebsgesellschaft raten Fachleute bisher dazu, das Verfahren nur ergänzend einzusetzen, weil Untersuchungen am Gewebe überlegen bleiben, solange genügend aussagekräftiges Material vorhanden ist. Auch bei der Kostenübernahme bestehen Einschränkungen. Der Biotechnologieverband BIO Deutschland weist in einem Positionspapier vom April 2026 darauf hin, dass die Erstattung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab bislang nur über einzelne, eng gefasste Abrechnungsziffern abgebildet ist, und fordert eine indikationsoffene Regelung. Ob eine solche Untersuchung im Einzelfall sinnvoll und erstattungsfähig ist, sollte deshalb vorab ärztlich und mit der Krankenkasse geklärt werden. BiodeutschlandBzkf
Betreuung im Behandlungsverlauf und Dosisanpassung
Neben der Wirkstoffwahl wird in der Fachliteratur die Betreuung über den gesamten Behandlungsverlauf thematisiert. Wenn Betroffene durchgehend von derselben Ärztin oder demselben Arzt begleitet werden, können Veränderungen im Befinden unter Umständen früher angesprochen werden.
Dosierungen sind in der Onkologie nicht in jedem Fall starr. Je nach Verträglichkeit und je nach Schweregrad auftretender Nebenwirkungen kann eine Dosis im Behandlungsverlauf angepasst, pausiert oder verändert werden. Der Schweregrad von Nebenwirkungen wird dabei standardisiert erfasst. Bei einzelnen Wirkstoffen mit enger therapeutischer Breite kommt zusätzlich ein therapeutisches Drug Monitoring infrage, bei dem die Wirkstoffkonzentration im Blut gemessen wird. Wie Nebenwirkungen im Behandlungsverlauf erkannt und behandelt werden, beschreibt die S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patientinnen und Patienten, die im Leitlinienprogramm Onkologie in der Version 2.0 vorliegt. Springer
Orale Krebstherapien in Tablettenform, etwa Kinaseinhibitoren, erfordern eine enge ambulante Begleitung, da die Einnahme zu Hause erfolgt und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich sind. Veränderungen des Befindens und mögliche Nebenwirkungen sollten in jedem Fall zeitnah ärztlich besprochen und nicht eigenständig durch eine Dosisänderung beantwortet werden.
Komplementäre Verfahren als mögliche Ergänzung
Für ergänzende Verfahren in der Onkologie gibt es in Deutschland eine eigene Leitlinie. Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patientinnen und Patienten im Juni 2024 aktualisiert. Beteiligt waren unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie. Aerzteblatt
Bei der Einordnung ist Zurückhaltung angebracht. Die beteiligten Fachgesellschaften halten fest, dass zu den meisten komplementärmedizinischen Methoden nur wenige wissenschaftliche Daten vorliegen. Viele Untersuchungen arbeiten mit kleinen Teilnehmerzahlen oder ohne passende Vergleichsgruppe, was die Aussagekraft der Ergebnisse begrenzt. Einzelne Studien deuten immerhin darauf hin, dass sich solche Methoden günstig auf bestimmte Nebenwirkungen einer onkologischen Therapie oder auf die Lebensqualität auswirken können. Einen Überblick über die Einordnung gibt auch das Deutsche Ärzteblatt.
Besondere Vorsicht gilt bei Nahrungsergänzungsmitteln. Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenpräparate können Wechselwirkungen mit Chemo-, Strahlen- und Immuntherapien haben und deren Wirkung beeinflussen. Eine Einnahme sollte deshalb nicht auf eigene Faust erfolgen, sondern ausschließlich nach vorheriger ärztlicher Rücksprache und in der Regel nur bei einem nachgewiesenen Mangel. Grundsätzlich gilt, dass komplementäre Maßnahmen eine leitliniengerechte Therapie allenfalls begleiten und sie in keinem Fall ersetzen können.
Fragen, die Betroffene im Gespräch stellen können
Wer sich über eine onkologische Versorgung informiert, kann verschiedene Aspekte ansprechen: Wird nach aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien behandelt? Besteht eine Anbindung an spezialisierte Zentren oder an eine Tumorkonferenz? Ist ausreichend Zeit für persönliche Gespräche vorgesehen? Wie wird die Begleitung bei oralen Therapien organisiert, die zu Hause eingenommen werden? Wer ist ansprechbar, wenn zwischen zwei Terminen Beschwerden auftreten? Solche Fragen können helfen, die eigene Situation besser einzuordnen. Eine Bewertung oder Empfehlung einzelner Einrichtungen ist damit ausdrücklich nicht verbunden.
Eine onkologische Schwerpunktpraxis in Rosenheim ist die Praxis Dr. Sigrun Gabius. Informationen zum Leistungsspektrum finden Interessierte auf der Website der Praxis.
Fazit
Molekulargenetische Tumoruntersuchungen, zielgerichtete Wirkstoffe, eine an der Verträglichkeit orientierte Dosisführung und begleitende Maßnahmen sind Bestandteile der aktuellen onkologischen Fachdiskussion. Für Betroffene und Angehörige bedeutet das vor allem, dass es sich lohnen kann, informiert nachzufragen und die eigenen Anliegen im ärztlichen Gespräch anzusprechen. Welche Behandlung im Einzelfall geeignet ist, kann ausschließlich individuell und ärztlich beurteilt werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patientinnen und Patienten, Langversion 2.0, Mai 2024. Registereintrag bei der AWMF
- Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patientinnen und Patienten, Langversion 2.0, 2025
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Meldung zur Aktualisierung der S3-Leitlinie Komplementärmedizin, Juni 2024
- Deutsche Krebsgesellschaft, ONKO-Internetportal: Basisinformationen zur Liquid Biopsy
- BIO Deutschland: Positionspapier zur Erstattung der Liquid Biopsy, April 2026
- Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Er begründet weder ein Heilversprechen noch eine Empfehlung für ein bestimmtes Verfahren oder eine bestimmte Einrichtung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte immer an eine Ärztin oder einen Arzt. Stand: Juli 2026.
