
Hitzewallungen gehören zu den häufigsten Beschwerden der Wechseljahre. Sie sind meist nicht gefährlich, können jedoch den Alltag stark beeinträchtigen: Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und ein ständiges Gefühl der Überhitzung sind typische Folgen.
Was passiert im Körper bei einer Hitzewallung?
In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Dadurch wird die Temperaturregulation im Gehirn empfindlicher. Schon geringste Schwankungen der Körpertemperatur können das Gehirn dazu veranlassen, eine Art „Notfallkühlung“ zu starten: Die Blutgefäße erweitern sich plötzlich, der Körper versucht Wärme abzugeben, und es entsteht der typische Hitzeanstieg, oft begleitet von Schweißausbrüchen und beschleunigtem Herzschlag.
Manchmal folgt danach ein Frösteln, weil der Körper sich zu stark abgekühlt hat.
Soforthilfe im Alltag: Was Sie sofort tun können
Oft wird die Situation einfach ausgeharrt, obwohl kurze, gezielte Maßnahmen helfen können, sie angenehmer zu überstehen. Besonders im Beruf, in der Öffentlichkeit oder nachts kann das einen Unterschied machen. Eine ruhige, tiefe Atmung – etwa vier Sekunden einatmen und sechs Sekunden ausatmen – kann helfen, ruhig zu bleiben. Dass Atemübungen Hitzewallungen selbst lindern, ist laut gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums, allerdings eher unwahrscheinlich. Kühle an Nacken oder Handgelenken empfinden manche als angenehm.
Manche trinken dabei ein Glas Wasser in kleinen Schlucken, idealerweise angenehm kühl, nicht eisig. Wichtig ist außerdem luftige Kleidung in mehreren dünnen Lagen, damit je nach Situation etwas ausgezogen werden kann und der Körper nicht plötzlich überhitzt. Mit solchen kleinen Strategien gewinnt man ein Stück Kontrolle zurück und fühlt sich den Hitzewellen weniger ausgeliefert.
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Welche Ernährung Hitzewallungen verstärken oder lindern kann
Manche Frauen bemerken, dass starker Kaffee, scharfes Essen oder Alkohol bei ihnen Hitzewallungen auslösen. Ob bestimmte Lebensmittel die Beschwerden tatsächlich verstärken oder lindern, ist laut gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums, allerdings nicht belegt. Es kann sich trotzdem lohnen, auf eigene Auslöser zu achten.
- Eine Ernährung, die reich an pflanzlichen Östrogenen ist – beispielsweise durch Sojaprodukte, Leinsamen, Kichererbsen oder Vollkornprodukte – wird oft empfohlen. Ob sie Hitzewallungen tatsächlich lindert, ist aber nicht belegt.
- Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Nüssen oder bestimmten Ölen gehören zu einer ausgewogenen Ernährung. Dass sie Hitzewallungen lindern, konnte eine systematische Übersichtsarbeit aber nicht belegen.
- Ausreichend zu trinken ist ohnehin wichtig – besonders, wenn Sie durch Hitzewallungen viel schwitzen.
Kleine, allmähliche Ernährungsanpassungen sind meist leichter durchzuhalten als strenge Diäten und können das allgemeine Wohlbefinden unterstützen.
Lebensstil und Entspannung
Viele Frauen erleben Stress als Auslöser für Hitzewallungen. Entspannung kann deshalb guttun – dass Entspannungstechniken oder Meditation Hitzewallungen selbst lindern, ist laut gesund.bund.de allerdings eher unwahrscheinlich. Das allgemeine Wohlbefinden können sie aber verbessern.
Ob Bewegung Hitzewallungen seltener macht, ist laut einem Cochrane-Review (Cochrane ist ein unabhängiges Netzwerk, das Studien systematisch auswertet) nicht ausreichend belegt. Bewegung unterstützt aber den Stoffwechsel, verbessert den Schlaf und beugt Gewichtszunahme vor, die bei vielen Frauen in den Wechseljahren zusätzlich belastend wirkt.
Pflanzliche Mittel
Viele Frauen probieren pflanzliche Präparate aus, deren Wirkung in Studien untersucht wird. Häufig verwendet werden Traubensilberkerze und Rotklee, der sogenannte Isoflavone enthält. Ob diese Mittel tatsächlich helfen, ist laut gesund.bund.de unklar. Auch Salbei wird traditionell bei vermehrtem Schwitzen angewendet.
Trotz ihrer natürlichen Herkunft sollten solche Mittel mit ärztlicher Rücksprache angewendet werden, da sie individuell unterschiedlich wirken und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich sind. Frauen, die eine östrogenabhängige Krebserkrankung der Brust oder Gebärmutter haben oder hatten, gelten laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei isoflavonhaltigen Präparaten wie Rotklee als besondere Risikogruppe. Sie sollten solche Mittel nicht ohne ärztliche Rücksprache einnehmen.
Wann eine Hormontherapie sinnvoll ist
Nicht alle Frauen benötigen Hormone. Am besten lassen sich hormonell bedingte Wechseljahresbeschwerden laut gesund.bund.de aber bisher mit einer Hormontherapie behandeln. Ob sie im Einzelfall sinnvoll ist, wird mit der Ärztin oder dem Arzt abgewogen.
Hormonpräparate werden heute individuell dosiert und gezielt eingesetzt. Risikofrei ist die Behandlung aber nicht: Bei einer jahrelangen Hormonbehandlung kann das Risiko für Blutgerinnsel, Schlaganfälle und Brustkrebs steigen. Vor Beginn einer Therapie ist jedoch eine gründliche medizinische Abklärung notwendig, insbesondere bei familiärer Brustkrebsbelastung, Thromboserisiko oder bei Frauen, die rauchen.
Wann sollten Sie dringend ärztlichen Rat suchen?
Auch wenn Hitzewallungen typisch für die Wechseljahre sind, sollte eine medizinische Abklärung erfolgen, wenn sie plötzlich und ungewöhnlich stark auftreten, mit Herzrasen, Schwindel oder Schwäche einhergehen, wenn sie bereits bei sehr jungen Frauen auftreten oder wenn unerklärlicher Gewichtsverlust oder Zyklusstörungen hinzukommen.
Denn ähnliche Symptome können auch auf andere Erkrankungen hinweisen, beispielsweise auf eine Schilddrüsenüberfunktion oder Stoffwechselstörungen.
Fazit
Alltagstipps wie luftige Kleidung, Kühlung und das Meiden eigener Auslöser können helfen, mit Hitzewallungen besser zurechtzukommen. Ob pflanzliche Mittel helfen, ist unklar. Bei starken Beschwerden ist eine Hormontherapie bislang die wirksamste Behandlung – nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt.
Entscheidend ist, den Körper ernst zu nehmen und sich nicht mit starken Beeinträchtigungen abzufinden. Welche Maßnahmen im Einzelfall helfen, ist individuell verschieden
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) – Wechseljahre – belegt: Ob pflanzliche Mittel mit Traubensilberkerze oder Rotklee tatsächlich helfen, ist unklar. Eine Hormontherapie wirkt bei hormonell bedingten Wechseljahresbeschwerden bisher am besten; bei jahrelanger Behandlung kann das Risiko für Blutgerinnsel, Schlaganfälle und Brustkrebs steigen.
- Systematische Übersichtsarbeit: Iqbal et al., Nutrients 2023 (Omega-3-Fettsäuren bei Wechseljahresbeschwerden) – belegt: Dass Omega-3-Fettsäuren Hitzewallungen lindern, konnte eine systematische Übersichtsarbeit nicht belegen.
- Cochrane-Review: Daley et al. 2014 (Bewegung bei Hitzewallungen in den Wechseljahren) – belegt: Ob Bewegung Hitzewallungen seltener macht, ist nicht ausreichend belegt.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) – Traubensilberkerze (Cimicifugae rhizoma), Zusammenfassung für die Öffentlichkeit – belegt: Traubensilberkerze kann die Leber schädigen; bei Anzeichen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Gelbfärbung von Haut oder Augen sofort absetzen und ärztlichen Rat einholen.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen in und nach den Wechseljahren – belegt: Frauen, die eine östrogenabhängige Krebserkrankung der Brust oder Gebärmutter haben oder hatten, gelten bei isoflavonhaltigen Präparaten als besondere Risikogruppe.
Stand der Angaben: September 2026. Medizinische Empfehlungen und Rechtsgrundlagen können sich ändern.