
Während einige Menschen schon mit 70 unter verschiedenen Beschwerden leiden, wirken andere selbst jenseits der 80 noch erstaunlich vital. Die Wissenschaft hat dafür spannende Erklärungen gefunden – und viele Erkenntnisse zeigen, dass wir selbst viel für ein langes, gesundes Leben tun können.
Kurz zusammengefasst
Erfreuliche Erkenntnis:
Unser Lebensstil hat großen Einfluss darauf, wie gesund wir alt werden – auch wenn die Gene ebenfalls eine Rolle spielen.
Gute Gewohnheiten:
Bewegung, ausgewogene Ernährung und guter Umgang mit Stress hängen mit einer höheren Lebenserwartung zusammen.
Weitere Faktoren:
Eine überwiegend pflanzliche Kost, regelmäßige Aktivität, soziale Kontakte und innere Ausgeglichenheit gehören zu den wichtigsten Zutaten für ein langes Leben. Was Menschen, die 100 Jahre und älter werden, sonst noch auszeichnet, lesen Sie hier.
Ein Beispiel aus Deutschland: Mit 87 noch Weltmeister
Leichtathlet Wolfgang Kownatka zeigt eindrucksvoll, wie gesundes Altern aussehen kann. Das Online-Magazin ProVita berichtete, wie er im hohen Alter noch regelmäßig an internationalen Wettkämpfen teilnimmt und Rekorde bricht. Zwar sei er nicht mehr ganz so schnell wie früher – gesundheitliche Probleme kennt er aber kaum. Er selbst glaubt: Seine Gene allein können das nicht erklären.
Lebensstil und Genetik
Die Forschung zu Langlebigkeit („Longevity“) deutet darauf hin, dass unser Lebensstil viel Einfluss darauf hat, wie gesund wir altern. Ganz eindeutig ist das Bild aber nicht: Eine 2026 in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Erblichkeit der Lebensspanne bei über 50 Prozent liegt, wenn man Todesfälle durch äußere Ursachen wie Unfälle oder Infektionen herausrechnet.
- Eine große dänische Zwillingsstudie schätzte, dass Gene etwa ein Viertel (23 bis 26 Prozent) der Unterschiede in der Lebensdauer erklären – der Rest hing dort von anderen Einflüssen ab.
- Eine Untersuchung der Universität Oxford mit Daten von fast 500.000 Menschen fand: Genetische Risikowerte für 22 Krankheiten erklärten weniger als 2 Prozentpunkte der Unterschiede im Sterberisiko, Umwelt- und Lebensstilfaktoren dagegen rund 17 Prozentpunkte.
Besonders wichtig sind demnach:
- Lebens- und Umweltbedingungen
- finanzielle und soziale Situation
- Bildung und psychische Stabilität
Diese Gewohnheiten hängen mit einem längeren Leben zusammen
Unter allen ungünstigen Faktoren sticht Rauchen besonders hervor – es verkürzt das Leben am stärksten. Aber auch Schlaf, Bewegung, Alkohol, Stress und soziale Beziehungen spielen eine bedeutende Rolle.
Eine große Beobachtungsstudie mit Daten von US-Veteranen (Million Veteran Program, unter Beteiligung von Harvard-Forschenden) errechnete:
Männer, die mit 40 Jahren alle acht der folgenden Gewohnheiten pflegten, hatten eine rund 24 Jahre höhere Lebenserwartung als Männer ohne diese Gewohnheiten, bei Frauen waren es rund 21 Jahre. Das ist ein statistischer Zusammenhang, keine Garantie für den Einzelnen.
Folgende acht Verhaltensweisen hängen besonders stark mit einer höheren Lebenserwartung zusammen:
- regelmäßige Bewegung
- guter, erholsamer Schlaf
- keine Abhängigkeit von Opioiden
- nicht rauchen
- maßvoller Alkoholkonsum, kein Rauschtrinken
- gute Stressverarbeitung, stabile Psyche
- vollwertige, pflanzenbetonte Ernährung
- stabile, positive soziale Beziehungen
Krankheiten vorbeugen – bevor sie entstehen
Besonders chronische Erkrankungen wirken sich stark auf die Lebensdauer aus. In Deutschland gehören Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Todesursachen.
Schätzungen zufolge ließe sich durch einen gesunden Lebensstil ein großer Teil der Fälle von Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie ein Teil der Krebserkrankungen vermeiden.
Gesund leben – mit Freude und ohne Verbote
Wolfgang Kownatka lebt viele dieser Empfehlungen ganz selbstverständlich. Mehrmals pro Woche trainiert er Leichtathletik, geht viel spazieren und bleibt körperlich wie geistig in Bewegung. „Sport ist mein Jungbrunnen“, sagt er.
Darüber hinaus pflegt er Kontakt zu seinen Mitmenschen, schreibt Gedichte und engagiert sich in seiner Nachbarschaft. Und: Er genießt bewusst. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Fisch ist für ihn selbstverständlich – aber ein Stück Kuchen oder ein Glas Wein gehören ebenfalls dazu. Ebenso hört er beim Sport auf seinen Körper und gönnt sich Pausen, wenn etwas zwickt.
Welche Eigenschaften besonders langlebige Menschen auszeichnen
Kleine Interviewstudien mit Hundertjährigen beschreiben immer wieder ähnliche Persönlichkeitsmerkmale. Genannt werden zum Beispiel:
- Vitalität: ein starker Lebenswille
- Geselligkeit: herzliche, aktive Beziehungen
- Verlässlichkeit: Ehrlichkeit, Disziplin, Durchhaltevermögen
- Unabhängigkeit: selbstbestimmtes Leben
- Neugier: Freude am Lernen und an geistigen Herausforderungen
- Problemlösungsfähigkeit: Intelligenz unabhängig von Bildung
- Optimismus: eine positive Grundhaltung trotz schwieriger Zeiten
- Resilienz: außergewöhnliche psychische Widerstandskraft
Warum in einigen Regionen besonders viele Menschen 100 Jahre alt werden
Die sogenannten Blue Zones – fünf Regionen weltweit – sind dafür bekannt, dass die Menschen dort außergewöhnlich alt werden und dabei lange gesund bleiben:
- Okinawa (Japan)
- Loma Linda (Kalifornien)
- Sardinien (Italien)
- Nicoya (Costa Rica)
- Ikaria (Griechenland)
Was Menschen in diesen Regionen gemeinsam haben:
Regelmäßige, natürliche Bewegung
Tägliche Aktivität gehört dort einfach zum Alltag: Gartenarbeit, Wege zu Fuß, leichte Hausarbeit oder Tanzen – nicht intensiv, aber kontinuierlich und mit Freude.
Einfache, überwiegend pflanzliche Ernährung
Viele frische, regionale Lebensmittel, viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Vollkorn. Wenig Fleisch, kaum Zuckerzusätze. Genuss ist erlaubt – aber in Maßen.
Mentale Stärke und Gelassenheit
Hundertjährige bewahren Ruhe, lassen sich von Problemen weniger aus der Bahn werfen und üben Dankbarkeit.
Stressabbau durch Rituale
Kurze Pausen, gemeinsames Essen, Gebet, Meditation oder ein nachmittägliches Nickerchen gehören vielerorts zum täglichen Rhythmus.
Soziale Bindungen
Enge Gemeinschaften, verlässliche Freundschaften und Familienstrukturen stärken Körper und Seele gleichermaßen.
Sinn im Leben
Ob Garten, Handarbeiten oder Enkelkinder – sie haben immer etwas, das ihnen Freude macht und Motivation gibt.
Fazit: Langlebigkeit ist kein Geheimnis
Ein langes Leben hängt von den Genen, aber zu einem großen Teil auch vom Lebensstil ab. Wer gut schläft, sich ausgewogen ernährt, sich regelmäßig bewegt und auf stabile soziale Beziehungen achtet, hat nach Beobachtungsstudien bessere Chancen, gesund alt zu werden.
Perfektion ist nicht nötig. Das Motto vieler langlebiger Menschen lautet: alles in Balance – mit Genuss und Lebensfreude.
Und selbst wenn wir nicht alle die 100 erreichen: Wer nach diesen Prinzipien lebt, kann an Lebensqualität gewinnen – unabhängig vom Alter.
Autorenbox
Dieser Text hat die Redaktion von ProVita verfasst. Diese betreibt ein Online-Magazin rund ums Älter werden. ProVita vertreibt seit vielen Jahren erfolgreich Notrufsysteme, um ein selbstbestimmtes und sicheres Leben zu Hause zu ermöglichen.
Quellen
- Studie: Shenhar et al., Science 2026 (Erblichkeit der intrinsischen Lebensspanne) – belegt: Rechnet man Todesfälle durch äußere Ursachen heraus, liegt die Erblichkeit der Lebensspanne bei über 50 Prozent.
- Studie: Herskind et al., Human Genetics 1996 (dänische Zwillingsstudie, 2872 Zwillingspaare) – belegt: Gene erklärten in der dänischen Zwillingsstudie etwa ein Viertel (23 bis 26 Prozent) der Unterschiede in der Lebensdauer.
- Studie: Argentieri et al., Nature Medicine 2025 (Universität Oxford, UK Biobank) – belegt: Genetische Risikowerte für 22 Krankheiten erklärten weniger als 2 Prozentpunkte der Unterschiede im Sterberisiko, Umwelt- und Lebensstilfaktoren rund 17 Prozentpunkte.
- Studie: Nguyen et al., American Journal of Clinical Nutrition 2024 (Million Veteran Program, Beobachtungsstudie) – belegt: Männer, die mit 40 Jahren alle acht gesunden Gewohnheiten pflegten, hatten eine rund 24 Jahre höhere Lebenserwartung als Männer ohne diese Gewohnheiten.
- Bundesministerium für Gesundheit – Gesundheit A–Z: Rauchen – belegt: Unter den ungünstigen Lebensstilfaktoren sticht Rauchen als größtes vermeidbares Gesundheitsrisiko hervor.
- WHO – Fact Sheet Cardiovascular diseases (CVDs): Vorbeugung – belegt: Ein großer Teil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ließe sich durch einen gesunden Lebensstil vermeiden.
Stand der Angaben: September 2026. Medizinische Empfehlungen und Rechtsgrundlagen können sich ändern.